1. Warum Einzelunternehmen in GmbH umwandeln?
Als Einzelunternehmer haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen. Jeder Gewinn wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz nach dem progressiven Tarif besteuert. Der Grenzsteuersatz erreicht 42 % bereits ab rund 68.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, der Reichensteuersatz von 45 % greift ab rund 278.000 Euro. Der Durchschnittssteuersatz liegt wegen Grundfreibetrag und Progressionszone darunter – bei 400.000 Euro Gewinn etwa bei 40 %. Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Einkommensteuer) und gegebenenfalls Kirchensteuer kommen obendrauf; mit Solidaritätszuschlag sind es rund 42,4 %.
Die Umwandlung in eine GmbH ändert das grundlegend. Du profitierst gleich in mehreren Bereichen:
Steuerersparnis auf operativer Ebene
Die GmbH zahlt auf der operativen Ebene rund 30 % Gesamtsteuer (Körperschaftsteuer + Solidaritätszuschlag + Gewerbesteuer Berlin) – unabhängig von der Höhe des Gewinns. Ab 2028 sinkt der Satz schrittweise, weil die Körperschaftsteuer von 15 % auf 10 % reduziert wird.
Vermögensschutz
Die GmbH haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Dein Privatvermögen – Immobilien, Ersparnisse, Altersvorsorge – bleibt geschützt.
Professionelles Auftreten
Die GmbH signalisiert Seriosität und Beständigkeit gegenüber Geschäftspartnern, Banken und Kunden. Das öffnet Türen für größere Aufträge und Finanzierungen.
Nachfolge und Verkauf
GmbH-Anteile lassen sich einfacher übertragen, vererben oder verkaufen als ein Einzelunternehmen. Das macht Nachfolgeplanung deutlich flexibler.
Gut zu wissen
Die Umwandlung lässt sich in der Regel steuerneutral gestalten – deine stillen Reserven wandern unversteuert in die GmbH, statt sofort besteuert zu werden. Wie das funktioniert, erklären wir in Abschnitt 4. Steuerneutral heißt dabei gestundet: Versteuert wird der Wertzuwachs erst, wenn du später verkaufst. Bilanzierst du bereits, war es das auch schon. Rechnest du per Einnahmenüberschussrechnung ab, kommt ein zweiter Posten dazu – der Übergangsgewinn, siehe Abschnitt 9. Er lässt sich gestalten und fällt öfter zu deinen Gunsten aus, als die meisten erwarten.
2. Steuervergleich: Einzelunternehmen vs. GmbH
Beim Einzelunternehmen entscheidet die Höhe des Gewinns über den Steuersatz. Maßgeblich sind zwei Größen, die häufig verwechselt werden:
- → Grenzsteuersatz – der Satz auf den nächsten verdienten Euro. Er erreicht 42 % bereits ab rund 68.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, der Reichensteuersatz von 45 % greift ab rund 278.000 Euro.
- → Durchschnittssteuersatz – die tatsächliche Belastung über das gesamte Einkommen. Wegen Grundfreibetrag und Progressionszone liegt er deutlich unter dem Grenzsteuersatz.
- → Solidaritätszuschlag kommt mit 5,5 % auf die Einkommensteuer obendrauf und ist in dieser Größenordnung voll fällig.
Die GmbH zahlt dagegen auf der operativen Ebene einen festen Satz von rund 30 % – unabhängig vom Gewinn (Berlin, Hebesatz 410 %). Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer schrittweise von 15 % auf 10 % (Steuerfortentwicklungsgesetz, bereits beschlossen).
| Jahresgewinn | EU – Grenzsteuersatz | EU – Durchschnitt + SolZ | GmbH (operativ) |
|---|---|---|---|
| 200.000 € | 42 % | ca. 38,5 % | ca. 30 % |
| 400.000 € | 45 % | ca. 42,4 % | ca. 30 % |
| 600.000 € | 45 % | ca. 44,1 % | ca. 30 % |
| 800.000 € | 45 % | ca. 44,9 % | ca. 30 % |
Annahmen: Grundtarif (Single), Tarif 2026, Solidaritätszuschlag in voller Höhe, keine Kirchensteuer, ohne pauschalierte Gewerbesteueranrechnung nach § 35 EStG; GmbH Berlin, Hebesatz 410 %.
Der Hebel kommt mit der Holding
Die rund 30 % Belastung in der GmbH gelten ausschließlich auf der operativen Ebene. Schüttet die operative GmbH den verbleibenden Gewinn an eine Holding aus, sind dort 95 % der Ausschüttung steuerfrei (§ 8b Absatz 1 KStG). Nur 5 % gelten als nicht abziehbare Betriebsausgabe. Auf jeden Euro, der in der Holding ankommt, fallen damit nur rund 1,5 % Steuern an – aus diesen Mitteln reinvestierst du praktisch unbelastet.
Sobald du Mittel privat entnimmst (Ausschüttung an dich persönlich), fällt 26,375 % Abgeltungsteuer an. Der Steuervorteil entfaltet seine volle Wirkung also dann, wenn du Gewinne in der Struktur belässt und über die Holding wieder anlegst.
→ Zum interaktiven Steuerrechner: Vermögensaufbau GmbH vs. EinzelunternehmenLohnt sich die Umwandlung für dich?
In einem 15-minütigen kostenfreien Erstgespräch ordnen wir ein, ob sich ein genauer Blick für dich lohnt.
15-minütiges Erstgespräch sichern3. Die drei Wege der Umwandlung im Vergleich
Es gibt drei gängige Wege, ein Einzelunternehmen in eine GmbH zu überführen. Jeder hat seine Berechtigung – welcher der richtige ist, hängt von deinem konkreten Sachverhalt ab.
Einbringung (Einzelrechtsnachfolge)
Du gründest zunächst eine neue GmbH und bringst anschließend dein gesamtes Betriebsvermögen als Sacheinlage ein. Die Übertragung erfolgt für jeden Vermögensgegenstand einzeln (Einzelrechtsnachfolge). Steuerlich wird die Einbringung nach § 20 UmwStG zu Buchwerten durchgeführt – steuerneutral.
Ausgliederung (Gesamtrechtsnachfolge nach UmwG)
Bei der Ausgliederung nach §§ 152 ff. UmwG wird das gesamte Betriebsvermögen im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf die GmbH übertragen. Alle Verträge, Genehmigungen und Rechte gehen automatisch über – die Zustimmung einzelner Vertragspartner ist grundsätzlich entbehrlich.
Stufenlösung (Neugründung + schrittweise Übertragung)
Du gründest eine neue GmbH und überträgst die Wirtschaftsgüter des Einzelunternehmens schrittweise. Das Einzelunternehmen läuft parallel weiter und wird nach vollständiger Übertragung abgewickelt. Dieser Weg eignet sich, wenn nur Teile des Betriebs in die GmbH überführt werden sollen.
| Kriterium | Einbringung | Ausgliederung | Stufenlösung |
|---|---|---|---|
| Steuerneutral | ✓ (§ 20 UmwStG) | ✓ (§ 20 UmwStG) | Teilweise |
| Vertragsübergang | Einzeln | Automatisch | Einzeln |
| Notarkosten | Mittel | Höher | Mittel |
| Komplexität | Mittel | Höher | Gering bis mittel |
| Empfehlung | Standardweg | Bei vielen Verträgen | Nur in Sonderfällen |
4. Steuerneutrale Einbringung nach § 20 UmwStG
Die Einbringung nach § 20 Umwandlungssteuergesetz (UmwStG) ist der meistgewählte Weg, ein Einzelunternehmen in eine GmbH zu überführen. Bei richtiger Gestaltung deckst du dabei keine stillen Reserven auf – auf den Wertzuwachs deines Betriebs fällt im Zeitpunkt der Einbringung also keine Steuer an.
So funktioniert die Buchwertfortführung
Das Prinzip ist einfach: Die GmbH übernimmt die Wirtschaftsgüter deines Einzelunternehmens zu den bisherigen Buchwerten. Die stillen Reserven – also die Differenz zwischen Buchwert und tatsächlichem Marktwert – werden nicht aufgedeckt, sondern in der GmbH fortgeführt. Da kein Gewinn realisiert wird, fällt darauf im Zeitpunkt der Einbringung auch keine Steuer an. Versteuert wird der Wertzuwachs später, beim Verkauf der GmbH oder der Anteile: Der Buchwert wird zugleich zu den Anschaffungskosten deiner Anteile (§ 20 Absatz 3 UmwStG). Steuerneutral heißt gestundet, nicht erlassen.
Rechenbeispiel: Steuerneutrale Einbringung
Ein Einzelunternehmer bringt sein Betriebsvermögen in eine neue GmbH ein:
- → Buchwert des Betriebsvermögens: 150.000 Euro
- → Tatsächlicher Marktwert (Teilwert): 400.000 Euro
- → Stille Reserven: 250.000 Euro
Ergebnis bei Buchwertfortführung: Die GmbH setzt das Betriebsvermögen mit 150.000 Euro an. Die stillen Reserven von 250.000 Euro werden fortgeführt – es fällt keine Steuer an. Als Gegenleistung erhält der Einzelunternehmer GmbH-Anteile im Wert der Buchwerte.
Ohne Buchwertantrag (zum Vergleich): Die stillen Reserven von 250.000 Euro würden aufgedeckt und sofort besteuert – bei einem Steuersatz von 42 % wären das rund 105.000 Euro Steuerlast, fällig in dem Jahr, in dem dir kein Euro zusätzlich zufließt. Setzt die GmbH den gemeinen Wert an, kann der Einbringungsgewinn allerdings begünstigt sein: § 20 Absatz 4 UmwStG eröffnet den Freibetrag nach § 16 Absatz 4 EStG und die Tarifermäßigung nach § 34 EStG. Ob das etwas bringt, hängt an Alter und übrigen Einkünften – bei laufend hohen Gewinnen läuft die Fünftelregelung meist ins Leere.
Voraussetzungen für die Steuerneutralität
- → Gesamtes Betriebsvermögen einbringen: Alle wesentlichen Betriebsgrundlagen müssen auf die GmbH übertragen werden. Einzelne Wirtschaftsgüter „zurückbehalten" ist nur in engen Grenzen möglich.
- → Antrag auf Buchwertansatz: Die GmbH muss in der steuerlichen Schlussbilanz den Buchwertansatz wählen. Das geschieht durch entsprechenden Ansatz in der Einbringungsbilanz.
- → Gegenleistung in Gesellschaftsanteilen: Als Gegenleistung für die Einbringung erhältst du GmbH-Anteile. Weitere Gegenleistungen (Darlehen, Barentnahmen) sind nur begrenzt möglich, da sie die Steuerneutralität gefährden können.
- → Frist beachten: Der steuerliche Übertragungsstichtag darf höchstens 8 Monate vor der Anmeldung der Ausgliederung beim Handelsregister liegen – bei der Einzelrechtsnachfolge höchstens 8 Monate vor Vertragsschluss und Übergang des Betriebsvermögens (§ 20 Absatz 6 UmwStG).
5. Ausgliederung nach dem Umwandlungsgesetz (UmwG)
Die Ausgliederung nach §§ 152 ff. UmwG ist der „Königsweg", wenn dein Einzelunternehmen über zahlreiche Vertragsbeziehungen verfügt. Das Besondere: Im Wege der Gesamtrechtsnachfolge gehen alle Rechte und Pflichten automatisch auf die GmbH über – ohne dass du jeden Vertrag einzeln umschreiben musst.
Vorteile der Ausgliederung
- → Gesamtrechtsnachfolge: Mietverträge, Arbeitsverträge, Genehmigungen und Lizenzen gehen automatisch auf die GmbH über. Die Zustimmung der Vertragspartner ist grundsätzlich entbehrlich.
- → Rechtssicherheit: Die Umwandlung wird durch das Handelsregister eingetragen und entfaltet damit konstitutive Wirkung.
- → Steuerlich identisch: Auch die Ausgliederung kann nach § 20 UmwStG steuerneutral zu Buchwerten erfolgen.
Ablauf der Ausgliederung
Der Ablauf ist etwas aufwendiger als bei der einfachen Einbringung, bietet dafür aber maximale Rechtssicherheit:
- Ausgliederungsplan erstellen (mit Vermögensaufstellung und Einbringungsbilanz)
- Ausgliederungsbericht anfertigen
- Notarielle Beurkundung des Ausgliederungsplans
- Anmeldung zur Eintragung im Handelsregister
- Eintragung im Handelsregister (konstitutive Wirkung)
Praxistipp
Prüfe vor der Entscheidung zwischen Einbringung und Ausgliederung deine Verträge auf sogenannte Change-of-Control-Klauseln. Manche Verträge (insbesondere Miet- und Darlehensverträge) enthalten Sonderkündigungsrechte für den Fall einer Rechtsformänderung. Bei der Ausgliederung greift die Gesamtrechtsnachfolge – bei der Einbringung musst du solche Klauseln individuell verhandeln.
6. Steuerliche Rückwirkung: So nutzt du den Zeitvorteil
Einer der größten Vorteile der Umwandlung: Sie wirkt steuerlich zurück. Nach § 20 Absatz 6 UmwStG kann der steuerliche Übertragungsstichtag bis zu 8 Monate vor der tatsächlichen Einbringung liegen.
Konkretes Beispiel: Rückwirkung auf den 1. Januar
Du entscheidest dich im Frühjahr 2026 für die Umwandlung:
- → Notarielle Beurkundung: 15. Juli 2026
- → Anmeldung beim Handelsregister: Ende Juli 2026 (das ist der Termin, auf den es ankommt)
- → Steuerlicher Übertragungsstichtag: 1. Januar 2026 (Rückwirkung)
- → Ergebnis: Alle Gewinne ab dem 1. Januar 2026 werden der GmbH zugerechnet
Bei einem Jahresgewinn von 200.000 Euro sparst du durch die Rückwirkung allein im ersten Jahr bereits die volle Differenz zwischen Einkommensteuer und Körperschaftsteuer – das sind rund 20.000 bis 30.000 Euro.
Stichtag merken
Damit die Rückwirkung auf den 1. Januar des laufenden Jahres greift, muss bis zum 31. August mehr erledigt sein als der Notartermin: Beim Weg über die Ausgliederung zählt die Anmeldung beim Handelsregister, bei der Einbringung im Wege der Einzelrechtsnachfolge der Vertragsschluss zusammen mit dem Übergang des Betriebsvermögens (§ 20 Absatz 6 UmwStG). Der Notartermin gehört deshalb spürbar davor – wer erst Ende August beurkundet, verliert die Rückwirkung trotz Termin. Und damit ein ganzes Jahr Steuerersparnis, denn dann greift sie erst auf den 1. Januar des Folgejahres.
7. Ablauf Schritt für Schritt
Der typische Ablauf einer Umwandlung vom Einzelunternehmen in die GmbH – von der ersten Analyse bis zur Eintragung im Handelsregister:
Steuerliche Vorab-Analyse
Lohnt sich die Umwandlung für dich? Wir berechnen deine individuelle Steuerersparnis, prüfen den optimalen Zeitpunkt und klären, welcher Umwandlungsweg der richtige ist.
Dauer: ca. 1–2 Wochen
GmbH-Satzung und Gesellschaftsvertrag
Wir entwerfen die Satzung deiner neuen GmbH – maßgeschneidert auf deine Bedürfnisse. Regelungen zu Geschäftsführung, Gewinnverwendung und ggf. späterer Holding-Einbindung werden von Anfang an mitgedacht.
Dauer: ca. 1 Woche
Einbringungsbilanz erstellen
Die Einbringungsbilanz dokumentiert den Wert des eingebrachten Betriebsvermögens zum steuerlichen Übertragungsstichtag. Sie ist die Grundlage für die steuerneutrale Buchwertfortführung.
Dauer: ca. 1–2 Wochen
Notartermin
Beim Notar werden die GmbH-Gründung und die Einbringung des Einzelunternehmens beurkundet. Wir koordinieren den Termin und begleiten dich – alle Unterlagen sind vorbereitet.
Dauer: ca. 1 Stunde
Handelsregistereintragung
Nach der Beurkundung meldet der Notar die GmbH beim Handelsregister an. Mit der Eintragung entsteht die GmbH rechtswirksam. Das Einzelunternehmen wird gleichzeitig gelöscht.
Dauer: ca. 2–4 Wochen (je nach Registergericht)
Steuerliche Erklärungen und Nachbereitung
Wir erstellen die steuerlichen Erklärungen für die Umwandlung, melden die GmbH beim Finanzamt an und begleiten dich durch die erste Betriebsprüfung – falls das Finanzamt eine durchführt.
Begleitend nach Eintragung
8. Checkliste für deine Umwandlung
Diese Checkliste gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die du vor und während der Umwandlung beachten solltest:
- ✓ Steuerliche Analyse: Lohnt sich die Umwandlung bei deinem Gewinnvolumen? Ab ca. 80.000–100.000 Euro Jahresgewinn wird es in der Regel attraktiv.
- ✓ Zeitplanung: Bis zum 31. August muss die Anmeldung beim Handelsregister draußen sein, damit die Rückwirkung auf den 1. Januar greift – den Notartermin also früher legen.
- ✓ Betriebsvermögen inventarisieren: Welche Wirtschaftsgüter gehören zum Betrieb? Gibt es wesentliche Betriebsgrundlagen (z. B. Immobilien, Patente), die mitübertragen werden müssen?
- ✓ Verträge prüfen: Change-of-Control-Klauseln in Miet-, Leasing- und Darlehensverträgen identifizieren.
- ✓ GmbH-Satzung gestalten: Gesellschaftsvertrag auf deine Bedürfnisse zuschneiden (inkl. Holding-Option).
- ✓ Einbringungsbilanz erstellen: Buchwerte zum steuerlichen Übertragungsstichtag dokumentieren.
- ✓ Geschäftskonto eröffnen: Die GmbH braucht ein eigenes Geschäftskonto für die Stammeinlage.
- ✓ Versicherungen umstellen: Betriebliche Versicherungen auf die GmbH übertragen.
- ✓ Finanzamt informieren: Steuerliche Anmeldung der GmbH, Abmeldung des Einzelunternehmens.
- ✓ Holding-Strategie planen: Direkt mitdenken, ob im nächsten Schritt eine Holding-Struktur sinnvoll ist.
Du möchtest deine Umwandlung planen?
Sascha Albrecht begleitet dich persönlich – von der Analyse bis zur Eintragung im Handelsregister.
9. Sperrfristen und worauf du achten solltest
Die steuerneutrale Einbringung nach § 20 UmwStG hat einen Preis: eine siebenjährige Sperrfrist. Innerhalb dieser Frist kann es bei bestimmten Vorgängen zur rückwirkenden Besteuerung kommen.
Die siebenjährige Sperrfrist (§ 22 UmwStG)
Wer Anteile innerhalb von sieben Jahren nach der Einbringung ganz oder teilweise veräußert, löst eine rückwirkende Besteuerung des Einbringungsgewinns aus – zeitanteilig, jedes Jahr ein Siebtel weniger. Wichtig wird die Sperrfrist vor allem dann, wenn du kurz nach der GmbH-Gründung über einen Anteilstausch in eine Holding-Struktur wechselst oder einen Verkauf der GmbH planst. Beides lässt sich gestalten – aber nur mit Plan. Genau diese Verzahnung ist Teil der Gestaltungsberatung.
Weitere Punkte, die du im Blick behalten solltest
- → Übergangsgewinn bei Einnahmenüberschussrechnung: Rechnest du bisher per Einnahmenüberschussrechnung ab, führt die Einbringung zum Wechsel auf die Bilanz. Nachgeholt wird dabei alles, was diese Rechnung bisher nicht erfasst hat – offene Forderungen auf der einen Seite, Verbindlichkeiten, Rückstellungen und Rechnungsabgrenzungen auf der anderen. Das Ergebnis ist eine Rechengröße: Sie kann positiv ausfallen, sie kann aber ebenso gut negativ sein und deine Steuerlast im Umwandlungsjahr sogar senken. Wie sie bei dir ausfällt, zeigt nur die Rechnung – und die machen wir, bevor ein Stichtag festgezurrt wird. Zwei Stellschrauben gibt es dabei: den Stichtag selbst und die Honorarforderungen, die im Restbetriebsvermögen bleiben dürfen. Bilanzierst du schon, ist dieser Punkt für dich erledigt.
- → Gewerbesteuer: Der Übergang vom Einzelunternehmen in die GmbH kann gewerbesteuerliche Konsequenzen haben. Ein neuer Gewerbebetrieb entsteht – der gewerbesteuerliche Verlustvortrag des Einzelunternehmens geht in der Regel verloren.
- → Umsatzsteuer: Die Einbringung eines Betriebs im Ganzen ist als Geschäftsveräußerung nach § 1 Absatz 1a UStG umsatzsteuerfrei. Voraussetzung: Der Erwerber (die GmbH) führt das Unternehmen fort.
- → Pensionszusagen: Wenn du dir als GmbH-Geschäftsführer eine Pensionszusage erteilst, sind die Rückstellungen steuerlich absetzbar – ein Vorteil, den das Einzelunternehmen so nicht bietet.
10. Der nächste Schritt: Von der GmbH zur Holding
Die Umwandlung in eine GmbH ist oft erst der Anfang. Viele Unternehmer entscheiden sich im nächsten Schritt für den Aufbau einer Holding-Struktur – und erschließen sich damit weitere erhebliche Steuervorteile.
So funktioniert die Holding-Struktur
Du gründest eine zweite GmbH – die Holding-GmbH –, die die Anteile an deiner operativen GmbH hält. Die Übertragung der Anteile auf die Holding erfolgt im Wege des Anteilstauschs nach § 21 UmwStG und kann steuerneutral gestaltet werden.
Der entscheidende Effekt: Die operative GmbH schüttet ihren Nachsteuergewinn an die Holding aus – und dort sind 95 % der Ausschüttung steuerfrei (§ 8b Absatz 1 KStG). Auf jeden Euro, der in der Holding ankommt, fallen damit nur rund 1,5 % Steuern an. Aus diesen Mitteln reinvestierst du praktisch unbelastet.
95 % steuerfrei → 1,5 % Belastung
Gewinnausschüttungen von der operativen GmbH an die Holding sind zu 95 % steuerfrei (§ 8b Absatz 1 KStG). Nur 5 % gelten pauschal als Betriebsausgabe. In Summe bleibt eine effektive Belastung von rund 1,5 % – auf jeden Euro, der in der Holding ankommt.
Exit mit 1,5 % Belastung
Verkauft die Holding die Anteile an der operativen GmbH, ist der Veräußerungsgewinn ebenfalls zu 95 % steuerfrei (§ 8b Absatz 2 KStG). Auch hier liegt die effektive Belastung bei rund 1,5 %.
Vermögensaufbau
In der Holding angesammelte Gewinne lassen sich steueroptimiert reinvestieren – in Immobilien, Wertpapiere oder neue Geschäftsmodelle. Der Zinseszinseffekt entfaltet sich auf einer fast unbelasteten Basis.
Insolvenzschutz
Vermögen in der Holding ist vor einer Insolvenz der operativen GmbH geschützt. Du trennst operatives Geschäft und Vermögenssicherung.
Ausführliche Informationen zum Holding-Aufbau findest du auf unserer Seite zur Umwandlung und Holding-Strukturierung.
11. Deine Beratung bei der Kanzlei Albrecht in Berlin
Die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH berührt gleichzeitig Steuerrecht, Gesellschaftsrecht und Vertragsrecht. Du profitierst davon, dass Sascha Albrecht als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Steuerrecht alle drei Bereiche aus einer Hand abdeckt.
Das bekommst du
- → Individuelle steuerliche Analyse: Lohnt sich die Umwandlung für dich – und wenn ja, wann?
- → Gestaltung der Einbringung nach § 20 UmwStG (oder Ausgliederung nach UmwG)
- → Erstellung der Einbringungsbilanz und aller steuerlichen Erklärungen
- → Maßgeschneiderte GmbH-Satzung mit Holding-Option
- → Koordination mit dem Notar und dem Handelsregister
- → Begleitung nach der Umwandlung: Finanzamt, Versicherungen, Vertragsumstellungen
Mandanten betreut
Persönlich vor Ort
Erfahrung aus der Finanzverwaltung
Sascha Albrecht war selbst in einem Berliner Finanzamt tätig und kennt damit beide Perspektiven. Dieses Wissen fließt direkt in die Gestaltungsberatung ein – du profitierst von Strukturen, die auch einer späteren Betriebsprüfung standhalten.
12. Häufige Fragen zur Umwandlung
Wie lange dauert die Umwandlung vom Einzelunternehmen zur GmbH?
Kann ich mein Einzelunternehmen steuerfrei in eine GmbH umwandeln?
Was ist besser: Ausgliederung nach UmwG oder Einbringung nach § 20 UmwStG?
Muss ich für die GmbH-Gründung 25.000 Euro Stammkapital aufbringen?
Was passiert mit meinen Verträgen bei der Umwandlung?
Was ist die steuerliche Rückwirkung und wie nutze ich sie?
Was sind die steuerlichen Sperrfristen nach der Umwandlung?
Lohnt sich die Umwandlung auch bei geringen Gewinnen?
Kann ich nach der Umwandlung in eine GmbH eine Holding aufbauen?
Bereit für den nächsten Schritt?
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Rechtsanwalt · Schwerpunkt Steuerrecht · Erfahrung aus einem Berliner Finanzamt